Fatigue@Work – mit 10 Tipps für Betroffene

23. September 2025, Lesedauer: 5 Minuten

Fatigue ist ein unterschätztes Symptom vieler Erkrankungen. Die anhaltende Erschöpfung bleibt oft zunächst für andere unsichtbar, kann sich jedoch stark auf die Leistungsfähigkeit und das Wohlbefinden der Betroffenen auswirken. Da Unternehmen bislang kaum passende Angebote bereithalten, ziehen sich viele Betroffene zurück – ein Verlust von wertvollem Know-how und Fachkräften. Mit gezielten Maßnahmen im Betrieblichen Gesundheitsmanagement lassen sich Offenheit fördern, Betroffene stärken und zugleich Fehlzeiten reduzieren sowie Produktivität sichern.

Fatigue kennt kein Alter und ist ein häufiges, jedoch nach wie vor stark unterschätztes Begleitsymptom zahlreicher Erkrankungen. In der Arbeitswelt findet dieses Thema bislang kaum die notwendige Beachtung, obwohl die Auswirkungen für die Betroffenen wie auch für die Unternehmen erheblich sind. Besonders oft tritt Fatigue bei Menschen auf, die an Krebs erkrankt sind, eine Krebstherapie hinter sich haben oder inzwischen zu den Cancer-Survivors gehören. Doch auch Personen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen, neurologischen Beschwerden, Stoffwechselstörungen wie Diabetes sowie mit Autoimmun- oder rheumatischen Erkrankungen berichten regelmäßig über ausgeprägte Erschöpfung. Selbst nach überstandener Akuttherapie oder stabil eingestellter Grunderkrankung bleibt Fatigue häufig bestehen und begleitet die Betroffenen über Monate oder Jahre hinweg. Fatigue ist keineswegs ein Phänomen des höheren Alters – auch jüngere Beschäftigte sind betroffen.

Die Symptome sind komplex und gehen weit über normale Müdigkeit hinaus. Viele Betroffene leiden unter einer Dauermüdigkeit, die sich durch Schlaf oder Entspannung allein nicht beheben lässt, und einer tiefen Erschöpfung auf körperlicher, mentaler und emotionaler Ebene. Die Folgen sind Konzentrations- und Gedächtnisstörungen, Frustration oder Reizbarkeit und mitunter ein deutlich reduziertes Belastungsniveau. Dabei kann die Intensität der Fatigue schwanken: An manchen Tagen fühlen sich Betroffene durchschnittlich leistungsfähig, an anderen sind schon kleine Anforderungen schwer zu bewältigen. Die Bandbreite der Ausprägung ist individuell und oft abhängig von der Tagesform. Dieses unvorhersehbare Muster verstärkt die Unsicherheit und macht den Umgang mit Fatigue im Arbeitsalltag besonders herausfordernd.

Da es in den meisten Unternehmen weder feste Ansprechpartner*innen noch spezielle Unterstützungsangebote gibt, ziehen viele Fatigue-Betroffene Konsequenzen. Häufig reduzieren sie ihre Arbeitszeit, wechseln in Teilzeitmodelle oder scheiden nach Möglichkeit ganz aus dem Berufsleben aus. Für die Firmen bedeutet dies einen erheblichen Verlust an wertvollem Wissen, Erfahrung und Arbeitskraft. Besonders gravierend ist dies bei Fach- und Führungskräften: Gerade in höheren Positionen werden Beschwerden wie Fatigue oftmals verschwiegen, weil die Sorge besteht, als leistungsschwach oder nicht mehr belastbar zu gelten. Das Risiko, dass Erschöpfung fälschlicherweise als mangelnde Motivation oder persönliche Schwäche interpretiert wird, führt bei vielen dazu, Symptome zu verheimlichen, statt aktiv Unterstützung einzufordern.

Dabei gäbe es zahlreiche Möglichkeiten, das Arbeitsumfeld so zu gestalten, dass Betroffene weiterhin konstruktiv eingebunden werden können. Neben einem gezielten Fatigue-Coaching, das die Betroffenen im Umgang mit den eigenen Energieressourcen stärkt und ihre Selbstwirksamkeit fördert, sind Maßnahmen im Rahmen des Betrieblichen Gesundheitsmanagements besonders wirksam. Dazu gehören etwa flexible Arbeitszeitmodelle, Homeoffice-Lösungen, die Anpassung von Aufgaben an das aktuelle Leistungsvermögen sowie Aufklärung und Sensibilisierung von Führungskräften und Kolleg*innen. Auch ein ergonomischer Arbeitsplatz oder eine entsprechende Hilfsmittelversorgung können eine enorme Entlastung bewirken. Wichtig ist, eine Unternehmenskultur zu schaffen, die Offenheit signalisiert und zeigt: Fatigue ist keine Schwäche, sondern ein Symptom, das Aufmerksamkeit verdient und auch in der Arbeitswelt ernst genommen werden sollte.

Arbeit kann – wenn die Rahmenbedingungen stimmen – sogar einen wichtigen gesundheitlichen Schutzfaktor darstellen. Sie gibt Struktur, fördert soziale Teilhabe und stärkt das Selbstwertgefühl. Von angepassten Bedingungen profitieren daher beide Seiten gleichermaßen: Beschäftigte gewinnen an Stabilität und Lebensqualität, während Arbeitgeber Fehlzeiten reduzieren, erfahrene Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter halten und so langfristig die Produktivität und Innovationskraft ihres Unternehmens sichern. Fatigue sichtbar zu machen und aktiv zu adressieren ist deshalb nicht nur ein Beitrag zur Gesundheit, sondern auch ein strategischer Vorteil in Zeiten des Fachkräftemangels.

Als Fatigue-Coachin weiß ich: Es gibt zahlreiche Möglichkeiten, Fatigue-Betroffenen zu helfen, die weit über die im Folgenden vorgestellten Tipps hinausgehen. Dennoch können schon kleine Schritte im Alltag eine wertvolle Unterstützung zur Selbsthilfe sein.

Falls Sie selbst von Fatigue betroffen sind:

  1. Setzen Sie jeden Tag gezielt Prioritäten und haushalten Sie „verantwortungsvoll“ mit Ihrer Energie. Wenn möglich, nehmen Sie das Angebot des Aktivitäten- und Energiemanagements (Pacing) in Anspruch.
  2. Planen Sie die Tätigkeiten nach Ihrer individuellen Leistungskurve. Beginnen Sie mit einer groben Planung am Vortrag, gestalten Sie die Feinabstimmung je nach Tagesform.
  3. Kommunizieren Sie Ihren Unterstützungsbedarf und delegieren Sie kräftezehrende Aufgaben an andere. Sie müssen nicht alles alleine bewältigen! Oft ist auch eine Haushaltshilfe eine Lösung.
  4. Nutzen Sie regelmäßige Bewegung, um sich körperlich fit zu halten, herauszufordern und Ihr Energielevel schrittweise zu erhöhen.
  5. Gönnen Sie sich regelmäßige Pausen am Tag und sorgen Sie für einen erholsamen Schlaf in der Nacht. Auch das Thema Schlafhygiene kann mit einem Coach näher beleuchtet werden.
  6. Achten Sie auf eine gesunde Ernährung und bedarfsgerechte Mahlzeiten.
  7. Finden Sie eine Entspannungstechnik, die Ihren Bedürfnissen entspricht und integrieren Sie diese in Ihre Tagesroutine. Bleiben Sie dran!
  8. Gehen Sie fürsorglich mit sich und Ihren Limitierungen um. Nutzen Sie bei Bedarf Hilfsmittel im Alltag und lassen Sie Ihren Arbeitsplatz auf ergonomische Gestaltungsmöglichkeiten prüfen.
  9. Pflegen Sie soziale Kontakte und sprechen Sie im Freundes- und Bekanntenkreis offen über Ihre Fatigue. Informieren Sie auch Ihren Arbeitgeber und Ihre Kollegen. Das schafft mehr Verständnis für Ihre Situation.
  10. Schöpfen Sie regelmäßig Kraft in der Natur und greifen Sie auch auf Ressourcen zurück, die bereits in der Vergangenheit zu Ihrem Wohlbefinden beigetragen haben. Das kann sehr individuell sein.

Jeder Schritt zählt, denn in Summe können auch kleine Veränderungen eine große Wirkung entfalten. Sorgen Sie stets gut für sich selbst!

Hinweis: Sie interessieren sich für ein Fatigue-Coaching? – Sehr gerne, nehmen Sie telefonisch oder via Mail Kontakt mit mir auf.

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